Etappe 9 – Auf nach Kreta

Wie angekündigt gibt es heute gleich die Fortsetzung zum gestrigen Tag.

Da die Nacht auf der Fähre verbracht wurde und dort weder vernünftiges Internet noch die Motivation vorhanden war, am Handy längere Texte zu verfassen, kommt der Bericht heute gesammelt.

Und eines kann ich schon vorwegnehmen:

Der Weg nach Kreta war deutlich ereignisreicher als die eigentliche Streckenlänge vermuten lässt.


🌊 Abschied von Euböa

Um 11:00 Uhr musste das Zimmer geräumt werden.

Natürlich wurde die Zeit bis zur letzten Minute ausgenutzt.

Zwei Nächte am selben Ort fühlen sich auf dieser Reise beinahe wie Sesshaftigkeit an.

Ein letztes Frühstück.

Ein letzter Blick aufs Meer.

Noch einmal kontrollieren, ob wirklich alles in den Koffern verstaut ist.

Und dann hieß es:

Helm auf.

Motor starten.

Auf nach Piräus.


🧭 Warum höre ich eigentlich nicht auf mich selbst?

Die Strecke zum Hafen wäre eigentlich kurz gewesen.

Das Schiff legt erst um 21:00 Uhr ab.

Boarding beginnt um 18:30 Uhr.

Zeit genug also.

Mehr als genug.

Und genau deshalb machte ich wieder den Fehler, den ich inzwischen eigentlich besser kennen müsste.

Das Navi wurde auf:

„Kurvige Strecke“

gestellt.

Wider besseres Wissen.

Und wie erwartet war das eine ausgesprochen fragwürdige Entscheidung.

Zumindest zeitweise.


🏍️ Das Navi schlägt wieder zu

Anstatt mich möglichst effizient Richtung Athen zu führen, beschloss mein BMW-Navi offenbar erneut, meine Abenteuerlust zu testen.

Aus befestigten Straßen wurden schmale Straßen.

Aus schmalen Straßen wurden sehr schmale Straßen.

Und teilweise fragte ich mich ernsthaft, ob hier jemals ein zweites Fahrzeug unterwegs gewesen war.

Trotzdem:

Irgendwie hatten diese Abschnitte auch ihren Reiz.

Denn genau die ungeplanten Straßen bleiben später oft länger in Erinnerung als die perfekte Route.



🚦 Willkommen im Großraum Athen

Irgendwann verschwanden die Berge langsam im Rückspiegel.

Dafür tauchte etwas anderes auf:

Verkehr.

Sehr viel Verkehr.

Und dann noch mehr Verkehr.

Wer glaubt, in Österreich gäbe es chaotische Straßenverhältnisse, sollte einmal versuchen, an einem warmen Nachmittag mit einem voll beladenen Reisemotorrad Richtung Athen zu fahren.

Der Verkehr rund um Athen ist schlichtweg Wahnsinn.

Spurwechsel ohne zu blinken.

Spurwechsel mit Blinken.

Spurwechsel ohne zu schauen.

Autos, Roller, Lieferwagen und Busse in allen denkbaren Kombinationen.

Dazu Temperaturen von deutlich über 34 °C.

Natürlich hat man mit dem Motorrad den Vorteil, sich zwischen den Fahrzeugen durchschlängeln zu können.

Zumindest theoretisch.

Praktisch relativiert sich dieser Vorteil schnell, wenn Black Beauty mit ihren Koffern inzwischen die Breite eines Kleinwagens erreicht.

Also Zentimeterarbeit.

Spiegel im Auge behalten.

Nicht hängen bleiben.

Und gleichzeitig hoffen, dass niemand spontan die Spur wechselt.

Nach einiger Zeit fühlte ich mich weniger wie ein Motorradfahrer und mehr wie ein Minensucher.

Als ich schließlich Piräus erreichte, wirkte selbst das Chaos im Hafen fast schon entspannt.


⚓ Warten auf die Fähre

Da ich deutlich vor dem Boarding angekommen war, blieb ausreichend Zeit.

Also wurde das Hafenviertel erkundet.

Ein Kaffee.

Etwas Schatten.

Menschen beobachten.

Und immer wieder der Blick hinüber zu den riesigen Fähren.

Denn plötzlich wurde greifbar, worauf diese Reise eigentlich die ganze Zeit hinauslief:

Kreta.



🛳️ Boarding

Ab 18:30 Uhr wurde es langsam ernst.

Autos.

Wohnmobile.

LKW.

Motorräder.

Alles wird erstaunlich geordnet in den Bauch des Schiffes dirigiert.

Auch Black Beauty bekam ihren Platz.

Festgezurrt.

Sicher verstaut.

Bereit für die Überfahrt.

Und damit war der Straßenanteil des Tages offiziell beendet.


🌅 Leinen los

Pünktlich um 21:00 Uhr wurden die Leinen gelöst.

Langsam entfernte sich das Festland.

Die Lichter von Piräus wurden kleiner.

Der Hafen verschwand.

Und irgendwo vor dem Bug lag bereits das Ziel dieser Reise.

Viele Länder.

Viele Grenzübergänge.

Unzählige Kurven.

Mehrere Planänderungen.

Und nun trennten mich nur noch einige Stunden auf See von der größten griechischen Insel.

Ein durchaus besonderer Moment.


Die planmäßige Ankunft war für 06:30 Uhr in Heraklion vorgesehen.

Wie die Überfahrt verlief, wie die Nacht auf der Fähre war und welchen Eindruck Kreta unmittelbar nach der Ankunft hinterlassen hat?

Das gibt es im nächsten Beitrag.

Denn der erste Tag auf Kreta verdient definitiv seinen eigenen Eintrag.


🎥 Relive-Video der heutigen Etappe

Von Euböa über Piräus bis auf die Nachtfähre Richtung Kreta.


Bis gleich.

Dann endlich von Kreta.

🏍️⚓🌅

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