Der Osten Kretas – Kurven statt Kilometer

Heute war einer dieser Tage, an denen die Kilometerzahl überhaupt nichts über die Anstrengung aussagt.

Auf dem Papier standen etwas mehr als 300 Kilometer.

Klingt überschaubar.

In der Realität bedeutete das aber fast sechs Stunden Fahrzeit.

Und gefühlt mindestens eine Million Kurven.

Start und Ziel waren heute identisch:

Agios Nikolaos.

Dazwischen lagen einige der schönsten Ecken des östlichen Kretas.

Und eine Erkenntnis:

Auf Kreta zählt man nicht Kilometer.

Man zählt Kurven.


🏍️ Küstenstraße zum Aufwärmen

Die ersten Kilometer verliefen entspannt.

Perfekter Asphalt.

Das Meer stets in Sichtweite.

Kurven, die man fast mit geschlossenen Augen fahren könnte.

Zumindest theoretisch.

Denn die Aussicht lenkt regelmäßig vom Wesentlichen ab.

Und ehe man sich versieht, ist die erste Stunde bereits vergangen.

Dann beginnt Kreta langsam zu zeigen, weshalb Motorradfahrer von dieser Insel schwärmen.

Aus einigen Kurven werden viele.

Aus vielen werden hunderte.

Und irgendwann verliert man einfach die Übersicht.


🌴 Der Palmenstrand von Vai

Der erste größere Stopp führte mich zum berühmten

Palmenstrand von Vai.

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Einem Ort, den man eher in der Karibik als auf Kreta vermuten würde.

Direkt hinter dem Strand erstreckt sich Europas größter natürlicher Palmenhain.

Tausende Dattelpalmen wachsen hier bis unmittelbar ans Meer.

Und genau dadurch entsteht dieser besondere Eindruck:

Man glaubt für einen Moment tatsächlich, auf einer tropischen Insel gelandet zu sein.

Dazu türkisfarbenes Wasser.

Heller Sand.

Und erstaunlich wenig Kitsch.

Ein Ort, der den Umweg definitiv wert ist.


🧭 Mein Navi und ich

Eigentlich könnte dieser Abschnitt mittlerweile fixer Bestandteil jedes Blogeintrags werden.

Natürlich war sich mein Navi auch heute wieder nicht ganz sicher, welche Route es eigentlich fahren wollte.

Und natürlich war ich nicht immer derselben Meinung.

Mehrmals wurde umgeplant.

Mehrmals neu berechnet.

Mehrmals geflucht.

Und dennoch führte mich die elektronische Nervensäge letztlich immer wieder zu Straßen, die ich sonst vermutlich nie gefunden hätte.

Eine Hassliebe eben.


🌊 Grundstücke mit Meerblick gesucht?

Die nächste Station führte mich entlang spektakulärer Küstenabschnitte Richtung

Kato Zakros.

Immer wieder tauchten kleine Buchten auf.

Teilweise vollkommen einsam.

Teilweise mit kleinen Strandcafés.

Und dazwischen immer wieder Grundstücke direkt am Meer.

Mit gut sichtbaren „For Sale“-Schildern.

Wer also schon immer von einem Haus direkt am Wasser in Griechenland geträumt hat:

Hier gäbe es durchaus Möglichkeiten.

Die Aussicht wäre jedenfalls nicht das Problem.


🏍️ Touristen und Terroristen

Mit der Zeit lernt man auf Kreta recht schnell, die Einheimischen von den Urlaubern zu unterscheiden.

Und zwar nicht an den Nummerntafeln.

Sondern am Fahrstil.

Die Einheimischen fahren erstaunlich rücksichtsvoll.

Sobald sie einen Motorradfahrer im Rückspiegel entdecken, fahren sie ganz selbstverständlich an den rechten Fahrbahnrand.

Oft sogar mit zwei Rädern auf dem Seitenstreifen.

Ein kurzer Dank mit der linken Hand.

Und weiter geht’s.

Ganz anders manche Urlauber.

Wenn vor dir ein nagelneues, blitzsauberes Mietauto auftaucht, das die gesamte Fahrbahnbreite beansprucht und jede Kurve fährt, als wäre es allein auf der Insel unterwegs, dann kann man mit erstaunlich hoher Trefferquote davon ausgehen:

Tourist.

Oder wie man auf langen Motorradtouren manchmal liebevoll sagt:

Verkehrsterrorist.


☕ Xerokambos

Später ging es weiter nach

Xerokambos.

Wieder einmal eine jener Ecken, die auf Fotos schön aussehen, in Wirklichkeit aber noch deutlich beeindruckender wirken.

Die Promenade.

Das Meer.

Die Ruhe.

Und dazu diese entspannte Atmosphäre.

Ich parkte direkt vor einem kleinen Barber Shop.

Ein Haarschnitt und Bartservice wären eigentlich bald wieder fällig gewesen.

Leider war heute kein Termin mehr frei.

Also blieb es beim Plan B.

Doppelter Espresso.

Eine Flasche Wasser.

Gesamtkosten:

4,70 Euro.

Und nein:

Das war bei weitem nicht das teuerste Getränk dieser Reise.


🌡️ Warm bleibt warm

Die Temperaturen lagen den ganzen Tag deutlich unter den Werten am Festland.

Trotzdem war ich am Abend komplett durchgeschwitzt.

Der Nierengurt befindet sich längst irgendwo tief unten im Gepäck.

Auf eine ordentliche Motorradausrüstung wird trotzdem nicht verzichtet.

Mesh-Jacke.

Mesh-Hose.

Fertig.

Die Einheimischen sehen das etwas entspannter.

Hier fährt gefühlt jeder zweite Rollerfahrer in kurzer Hose und T-Shirt.

Wer tatsächlich vollständige Schutzkleidung trägt, ist meistens sofort als Tourist erkennbar.


🛒 Zurück nach Agios Nikolaos

Bevor es zurück ins Hotel ging, stand noch ein kurzer Halt beim Supermarkt an.

Diesmal zu überraschend normalen Preisen.

Ein deutlicher Unterschied zu den kleinen Strandmärkten rund um das Hotel.

Dort zahlt man problemlos das Doppelte.

Oder mehr.

Urlaubszuschlag eben.


🔜 Morgen

Morgen geht es weiter.

Diesmal wieder Richtung Süden.

Und vor allem:

Wieder für zwei Nächte an denselben Ort.

Eine kleine Pause zwischen den vielen Kurven.

Wohin genau?

Lasst euch überraschen.

Denn eines habe ich auf dieser Reise inzwischen gelernt:

Die besten Ideen entstehen meistens erst beim Frühstück.


🎥 Relive-Video der heutigen Tour

Von Agios Nikolaos über Sitia, Vai, Kato Zakros und Xerokambos zurück an die Nordküste.


Bis morgen.

🏍️🌴🌊

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