Etappe 12 – Der ruhige Süden

Heute ging es von Agios Nikolaos quer über die Insel an die Südküste nach Plakias.

Auf der Karte wirkt die Strecke überschaubar.

In der Realität war sie alles andere als entspannt.

Die heutige Etappe war keine zum Dahingleiten.

Keine zum Heizen.

Keine zum Kilometerfressen.

Heute war Motorradfahren Arbeit.

Schöne Arbeit.

Aber Arbeit.


💪 Der Tag beginnt mit einem Krafttraining

Dabei hatte die Anstrengung schon begonnen, bevor überhaupt der Motor gestartet war.

Wie mittlerweile jeden Morgen wurden zunächst die Koffer gepackt und Black Beauty für den nächsten Abschnitt der Reise beladen.

Vor dem Hotel stellte ich mich dabei etwas breiter auf die Straße.

Nicht wirklich im Weg.

Aber offenbar ausreichend, damit ein Transporterfahrer Zweifel bekam, ob er vorbeikommen würde.

Also entschloss ich mich, das Motorrad ein Stück zu versetzen.

Anstatt allerdings wie ein vernünftiger Mensch aufzusteigen und die Maschine kontrolliert zu bewegen, wollte ich das Ganze schnell von der Seite erledigen.

Ein schwerer Fehler.

Es kam, wie es kommen musste.

Der Seitenständer klappte ein.

Das Motorrad bekam Schlagseite.

Und plötzlich hatte die Physik das Kommando übernommen.

Wer noch nie versucht hat, eine voll beladene BMW GS Adventure aufzufangen, dem sei gesagt:

Das ist ungefähr so erfolgversprechend wie der Versuch, einen umfallenden Kleiderschrank mit einer Hand festzuhalten.

Black Beauty bringt bereits leer ein stattliches Gewicht auf die Waage.

Mit Koffern, Gepäck und Reiseausrüstung wird daraus ein echtes Schwergewicht.

Ich hatte dem nichts entgegenzusetzen.

Also legte sich die Dame kurzerhand zur Seite.

Zum Glück ohne Schaden.

Weniger glücklich war die Erkenntnis:

Alleine bekommt man so ein Schiff kaum wieder aufgestellt.

Zumindest nicht ohne erhebliche Flüche und Bandscheibenschäden.

Der Fahrer des Transporters erkannte die Situation sofort und eilte zur Hilfe.

Gemeinsam und unter einiger Anstrengung gelang es uns schließlich, die Fuhre wieder aufzurichten.

Ein großes Dankeschön an den unbekannten Helfer.

Und wieder eine Erinnerung daran, dass zwischen einer fahrenden GS und einer stehenden GS Welten liegen.

Sobald sie rollt, wirkt sie leicht und erstaunlich handlich.

Sobald sie liegt, entwickelt sie die Masse eines kleinen Einfamilienhauses.


🏍️ Auf in den Süden

Nachdem der Puls wieder halbwegs normale Werte erreicht hatte, konnte die eigentliche Tour beginnen.

Und die verlief zum Glück problemlos.

Die Straßen allerdings…

Nun ja.

Der Asphalt im Süden Kretas scheint stellenweise dieselben besten Jahre hinter sich zu haben wie manche der Häuser entlang der Strecke.

Schlaglöcher.

Ausgebesserte Stellen.

Risse.

Unebenheiten.

Dazu unzählige enge Kurven.

Und dann noch engere Kurven.

Manchmal hatte ich das Gefühl, die Straßenplaner hätten versucht, jede gerade Passage der Insel konsequent zu vermeiden.


⛰️ Zwei Inseln auf einer Insel

Was heute besonders auffiel:

Der Süden Kretas ist das komplette Gegenteil des Nordens.

Man könnte fast glauben, man befindet sich auf einer anderen Insel.

Im Norden:

  • Hotels
  • Strandbars
  • Touristen
  • Verkehr
  • Geschäftigkeit

Im Süden:

  • Ruhe
  • Berge
  • Landwirtschaft
  • kleine Dörfer
  • leere Straßen

Während man im Norden oft von Hotelanlagen und Touristenorten umgeben ist, wirkt der Süden deutlich ursprünglicher.

Hier geht alles etwas langsamer.

Etwas entspannter.

Etwas authentischer.

Und genau das macht den Reiz aus.


🌱 Gewächshäuser bis zum Horizont

Je weiter ich Richtung Südküste kam, desto stärker änderte sich das Landschaftsbild.

Immer häufiger tauchten riesige Gewächshausanlagen auf.

Und irgendwann wurde klar:

Hier lebt man nicht nur vom Tourismus.

Hier ist Landwirtschaft mindestens genauso wichtig.

Teilweise ziehen sich die Gewächshäuser kilometerweit durch die Landschaft.

Eine völlig andere Seite Kretas.

Und eine, die man als klassischer Badeurlauber vermutlich nie zu Gesicht bekommt.


🌊 Ankunft in Plakias

Irgendwann tauchte dann endlich das Meer wieder auf.

Und kurz darauf war das Tagesziel erreicht:

Plakias.

Ein angenehmer kleiner Ort direkt an der Südküste.

Deutlich ruhiger als viele Orte im Norden.

Genau die richtige Mischung aus Infrastruktur und Gelassenheit.

Meine Unterkunft für die nächsten beiden Nächte:

Souda Bay Apartments

Der erste Eindruck:

Sauber.

Freundlich.

Entspannt.

Genau das, was ich nach diesem Fahrtag gebraucht habe.


💰 Die Preise werden wieder angenehmer

Ein weiterer Vorteil des Südens:

Die Preise.

Man merkt deutlich, dass man sich hier weiter weg von den großen Touristenzentren bewegt.

Egal ob Kaffee.

Bier.

Essen.

Oder andere Kleinigkeiten.

Der berüchtigte Touristenaufschlag fällt deutlich geringer aus.

Natürlich ist auch hier nichts geschenkt.

Aber man hat deutlich seltener das Gefühl, für die Aussicht alleine bezahlen zu müssen.


🌅 Morgen

Morgen bleibt das Gepäck im Apartment.

Es steht eine Rundtour durch den Süden Kretas auf dem Programm.

Ohne Koffer.

Ohne Hotelwechsel.

Einfach nur Motorradfahren.

Kurven.

Berge.

Küste.

Und alles, was der Süden dieser faszinierenden Insel sonst noch zu bieten hat.

Bevor es dann übermorgen weiter in den Nordwesten geht.

Wohin genau?

Das wird sich – wie so oft auf dieser Reise – vermutlich erst beim Frühstück endgültig entscheiden.


🎥 Relive-Video der heutigen Etappe

Von Agios Nikolaos quer über Kreta bis an die ruhige Südküste nach Plakias.


Bis morgen.

🏍️🌊☀️

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