Runde im Süden – Zwischen Traumstraßen und Felsstürzen

Heute stand keine klassische Etappe auf dem Programm.

Kein Kofferpacken.

Kein Hotelwechsel.

Keine Frage, wohin die Reise geht.

Heute stand einfach eine Rundtour durch den Süden Kretas auf dem Programm.

Die geplante Route:

Plakias → Kallikratis → Askyfou → Chora Sfakion → Frangokastello → Plakias

Laut Beschreibung eine der schönsten Motorradrunden im Südwesten Kretas.

Schön und gut.

Doch wie war es wirklich?


🏨 Die Unterkunft

Zuerst ein paar Worte zur Unterkunft, denn schließlich verbringe ich hier zwei Nächte.

Souda Bay Apartments

Für zwei Nächte im Studio inklusive Frühstück werden 164 € fällig.

Das Studio besteht aus Doppelbett und Einzelbett und bietet alles, was man braucht.

Man sollte allerdings die Zimmerbeschreibung aufmerksam lesen.

Dort fehlte in der Auflistung:

Fernseher.

Und tatsächlich:

Es gibt keinen.

Wer also auf Netflix, Nachrichten oder Formel 1 im Zimmer hofft, wird enttäuscht.

Dafür gibt es andere Dinge, die deutlich wichtiger sind.

Einen sehr sauberen Pool.

Kostenlose Liegen.

Eine eigene Poolbar.

Und vor allem eine ausgesprochen familiäre Atmosphäre.

Alle sind freundlich.

Alles ist sauber.

Man fühlt sich willkommen.

Was mich der Ouzo und das Bier vom Vorabend kosten werden, erfahre ich allerdings erst morgen bei der Abreise.

Die Getränke werden nämlich einfach aufs Zimmer geschrieben.

Eine Getränkekarte gibt es nicht.

Ein kleines Abenteuer für sich.


🍳 Frühstück auf kretische Art

Besonders gefallen hat mir das Frühstück.

Kein Buffet.

Kein Gedränge.

Kein Kampf um den letzten freien Tisch.

Stattdessen wird mit dem Gast besprochen, was serviert werden soll.

Oder zumindest theoretisch.

Bei mir lief das offenbar mittlerweile automatisch.

Heute gab es:

  • Bacon
  • Spiegeleier
  • Wassermelone
  • Brot
  • Butter
  • Marmelade
  • frisch gepressten Orangensaft
  • und sehr viel Kaffee

Offensichtlich kennen sie mich inzwischen gut genug.

Bis auf die Tatsache, dass mein Interesse an Brot, Butter und Marmelade weiterhin überschaubar bleibt.


🏍️ Endlich ohne Gepäck

Nach dem Frühstück ging es aufs Motorrad.

Und was für ein Unterschied das macht.

Keine Seitenkoffer.

Leeres Topcase.

Keine Gepäckrolle.

Plötzlich wirkt dieselbe Maschine deutlich handlicher.

Fast sportlich.

Zumindest bis die erste Steilkehre auftaucht.


⛰️ Kallikratis – nichts für schwache Nerven

Die ersten Kilometer führten über die berühmte Straße nach Kallikratis.

Und ich frage mich ernsthaft, wer diese Strecke als „flüssig fahrbar“ bezeichnet.

Die Kehren sind teilweise so eng, dass man glaubt, die Straße hätte beim Bau das Maßband verloren.

Zügig fahren?

Vielleicht für einen Trialfahrer.

Für mich bedeutete das:

Blicktechnik.

Kupplung.

Gas.

Beten.

Und hoffen, dass kein Reisebus entgegenkommt.

Dazu gesellte sich Asphalt, der seine besten Jahre bereits hinter sich hat.

Und natürlich jede Menge tierischer Verkehr.

Heute begegneten mir:

  • Eidechsen
  • Ziegen
  • Schildkröten
  • Schlangen

Und vermutlich noch einige Arten, die ich gar nicht rechtzeitig identifizieren konnte.


🪨 „Etwas Schotter in den Kurven“

Besonders gefallen hat mir die Beschreibung:

„Gelegentlich etwas Schotter in den Kurven.“

Eine bemerkenswert kreative Umschreibung.

Denn teilweise lagen dort keine Steinchen.

Teilweise lagen dort ganze Felsstürze.

Man merkt schnell:

Hier wird die Straße zwar geräumt.

Aber oft gerade nur so weit, dass man irgendwie durchkommt.


🏍️ Dann beginnt der Spaß

Mit zunehmender Höhe und Entfernung von den engen Passagen änderten sich die Straßenverhältnisse.

Plötzlich wurden die Kurven flüssiger.

Die Sicht besser.

Der Asphalt griffiger.

Und auf einmal konnte man tatsächlich fahren.

Richtig fahren.

Es war erstaunlich, wie sehr ich dieses zügige Kurvenfahren vermisst hatte.

Kurve.

Umlegen.

Beschleunigen.

Nächste Kurve.

Genau deshalb sitzt man auf einem Motorrad.


⚠️ Achtung Mittelstreifen

Eine Besonderheit der kretischen Straßen verdient allerdings besondere Erwähnung.

Die Mittelstreifen.

Es gibt hier nämlich zwei Varianten.

Die weißen.

Und die gelben.

Die weißen sind bereits rutschig genug.

Die gelben hingegen sorgen dafür, dass einem das Herz kurz in die Hose rutscht, sobald man sie berührt.

Ich möchte gar nicht wissen, wie sich diese Straßen bei Regen fahren.

Zusammen mit dem Staub, der sich überall ablagert, dürfte das eine Mischung sein, die an Schmierseife erinnert.


🌍 Der Unterschied zwischen Nord und Süd

Heute fiel auch ein weiterer Unterschied auf.

Der Norden und der Süden Kretas ziehen offenbar unterschiedliche Besuchergruppen an.

Im Norden hörte man praktisch überall Französisch.

Teilweise hatte ich das Gefühl, ganz Kreta sei von Franzosen besiedelt worden.

Hier im Süden sieht die Welt völlig anders aus.

Französisch?

Fast gar nicht.

Dafür:

  • Englisch in allen Varianten
  • Deutsche
  • Italiener
  • Australier
  • Amerikaner

Die Mischung ist deutlich internationaler.

Und irgendwie entspannter.


🌊 Feierabend in Plakias

Die heutige Runde umfasste gerade einmal rund 115 Kilometer.

Trotzdem standen am Ende fast drei Stunden reine Fahrzeit auf der Uhr.

Die Pausen nicht eingerechnet.

Das allein sagt schon alles über die Beschaffenheit der Straßen.

Inzwischen sitze ich direkt am Strand.

Ein Bier vor mir.

Der Laptop neben mir.

Der Blogeintrag wird fertiggestellt.

Und gleichzeitig tue ich etwas, das ich seit Jahren nicht mehr gemacht habe:

Ich verfolge nebenbei Formel 1.

Gut.

„Verfolgen“ ist vielleicht etwas übertrieben.

Auf einem großen Fernseher läuft gerade der Grand Prix von Monaco.

Und während ich den deutschen Kommentar im Hintergrund höre, lasse ich den Tag Revue passieren.

Ein ziemlich gelungener Tag.


🔜 Morgen

Morgen geht es weiter.

Ziel ist der Westen der Insel.

Genauer gesagt die Gegend rund um Chania.

Die Unterkunft steht bereits fest:

Stefanie Studios

Und damit beginnt der nächste Abschnitt dieser Reise.

Mal sehen, welche Straßen, Kurven und Überraschungen dort auf mich warten.


🎥 Relive-Video der heutigen Tour

Plakias – Kallikratis – Askyfou – Chora Sfakion – Frangokastello – Plakias


Bis morgen.

🏍️🌊☀️

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